Geschichte

Die Stadt wurde 1221 von Jurij II. Wsewolodowitsch , dem Großfürsten von Wladimir, am Zusammenfluss der beiden wichtigsten Flüsse seines Reiches, der Wolga und der Oka, gegründet.

Wörtlich übersetzt bedeutet Nischnij Nowgorod „Untere Neustadt”. Möglicherweise gab man ihr diesen Namen zur Unterscheidung vom älteren Nowgorod. Wie Moskau und Twer gehörte Nischnij Nowgorod zu jenen neugegründeteten Städten, die aufgrund ihrer damaligen geringen Bedeutung der Verwüstung durch die Mongolen entgingen, sich dann aber in der Zeit des „Tatarenjochs” (vom 13. - 15. Jahrhundert) zu wichtigen politischen Zentren entwickelten.

Die Bedeutung von Nischnij Nowgorod nahm weiter zu nachdem es im Jahre 1350 zur Hauptstadt des Fürstentums Susdal erklärt worden war. Der Großfürst Dmitri Konstantinowitsch (1328 - 83) war bemüht, die Hauptstadt seines Reiches zu einem ebenbürtigen Rivalen Moskaus zu machen: Er ließ eine steinerne Festung und mehrere Kirchen bauen und machte sich um die Geschichtsschreibung verdient. Die älteste erhaltene Abschrift der berühmten Nestorchronik wurde 1377 in seinem Auftrag von dem Mönch Lawrentij erstellt.
 

Nachdem die Stadt 1392 Teil des Moskowiterreiches geworden war wurde Nischnij Nowgorod von den Moskowitern vor allem als wichtige Festung bei ihren Kriegen gegen die Kasaner Tataren angesehen. Der gewaltige Kreml aus rotem Ziegelstein, eine der mächtigsten und ältesten erhaltenen russischen Festungen, wurde 1508 - 1511 unter der Anleitung von „Peter dem Italiener” errichtet. Bei den Belagerungen der Festung 1520 und 1536 durch die Tataren erwies sie sich als stark genug und hielt den Angriffen stand.  

Im Verlauf des 17. Jahrhunderts erlebte die Stadt eine wirtschaftliche Blüte, und wurde von den Stroganovs, einer der reichsten Kaufmannsfamilien Russlands, als Stützpunkt für ihre Unternehmungen gewählt. Der spezifische, um 1700 in Nischnij Nowgorod entstandene Architektur- und Ikonenstil, wird als „Stroganow-Schule“ bezeichnet.

1817 wurde die Messe von Makarew, einer der lebhaftesten Handelsmärkte der damaligen Welt, nach Nischnij Nowgorod verlagert, was von da an Jahr für Jahr Millionen von Besuchern in die Stadt lockte. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sie sich als die Handelstadt des Russischen Reiches etabliert. Weitere Wirtschaftszweige begannen sich zu entwickeln, und zu Beginn des 20.Jahrhunderts war die Stadt auch eines der wichtigsten Industriezentren des Landes.

Das trostlose Leben des städtischen Proletariats wird in den Romanen von dem in Nischnij Nowgorodgeborenen Maxim Gorki realistisch beschrieben. Eine berühmte Redensart, die Nischnij Nowgorods Bedeutung als Handelsstadt widerspiegelt, lautet: Moskau ist das Herz Russlands, Petersburg der Kopf und Nischnij Nowgorod seine Tasche.


Nachdem Maxim Gorki 1932 offiziell als proletarischer Schriftsteller anerkannt worden war, wurde die Stadt in Gorki umbenannt. 1991 erhielt sie ihren alten Namen zurück.

In den 30er Jahren des 20 Jhr. bekam Nischnij Nowgorod den Status einer so genannten „geschlossenen Stadt”, die von Ausländern nicht besucht werden durfte. Grund dafür waren die hier ansässigen Rüstungsbetriebe, in denen unter anderem Atom-U-Boote, Kampfflugzeuge und Panzer produziert wurden. Seit 1992 ist die Stadt wieder für Besucher geöffnet.

Von 1980 bis 1984 war die Stadt der Verbannungsort des Atomphysikers Andrei Sacharow. Sacharow war beim kommunistischen Regime in Ungnade gefallen, nachdem er sich gegen den Einzug der sowjetischen Truppen in Afghanistan ausgesprochen hatte. Er wurde aus Moskau ausgewiesen und lebte in Nischnij Nowgorod unter ständiger Überwachung durch den KGB. 1986 durfte er nach Moskau zurückzukehren. Die Wohnung, in der er damals lebte, kann heute als Sacharow-Museum besichtigt werden.